Natur(a) erleben

Entdeckertour 1

Das Grenzbachgebiet bei Dahlenberg

Auf dieser Entdeckertour folgen wir dem Dommitzscher Grenzbach auf einem Naturlehrpfad rund um die Talsperre Trossin (auch: Stausee Dahlenberg) und dem Dorfteich von Dahlenberg. Beide Gewässer werden vom Grenzbach gespeist und besitzen mit den bachbegleitenden Schwarzerlen- sowie Traubenkirschen-Erlen-Eschen-Waldbeständen eine wichtige Vernetzungsfunktion zwischen der Elbaue sowie der Dübener Heide.
Entdecken Sie auf der 5,3 km langen Route (Teilstrecken möglich) die Flora und Fauna des FFH-Gebietes „Dommitzscher Grenzbachgebiet“ sowie des Vogelschutzgebietes „Dübener Heide“.
Das FFH-Gebiet umfasst die Grenzbachaue, vom Quellbereich an der Grenze zu Sachsen-Anhalt bis an den Mündungsbereich zur Elbe, sowie die Seitenarme, Brandteichbach, Trossiner Bach und Bienengraben. Perlschnurartig ist entlang der Fließgewässer eine Fülle von Teichen aufgereiht. Der Mausebruch, ein am Rande der Grenzbachaue gelegenes Versumpfungsmoor, liegt ebenfalls innerhalb des Schutzgebietes.
Die Gewässerstrukturen sind ein wichtiger Lebensraum für den Biber und stehen in Verbindung zu den Vorkommen der Art entlang der Elbe. Darüber hinaus erfüllt das FFH-Gebiet wichtige Trittstein- und Vernetzungsfunktionen für die Populationen von Bachneunauge und Kammmolch. Für die Fischarten Schlammpeitzger und Rapfen stellt der Grenzbach ein temporäres Ausweich- oder Rückzugsgebiet aus dem Elbebereich dar.
Die als Relikt der nacheiszeitlichen Wärmezeit geltende Bauchige Windelschnecke hat im FFH-Gebiet eines ihrer wenigen Vorkommen nördlich der Alpen.
Wertgebende Lebensräume und Lebensstätten für Vögel stellen im Bereich der Entdeckertour alt- und totholzreiche Wälder, höhlenreiche Einzelbäume, strukturreiche Waldsäume, Teiche mit Röhrichten und Verlandungszonen sowie naturnahe Bachläufe und Bachabschnitte. Grau- und Schwarzspecht lassen sich auf dieser Tour ebenso entdecken wie Schwarzmilan und Eisvogel.

Wegbeschreibung Entdeckertour 1

Als Ausgangspunkt für diese Entdeckertour eignen sich die Parkplätze (Wegpunkt P) am Waldhotel „Hachemühle“ (Wegpunkt 1) bzw. am Naturbad Stausee Dahlenberg (Wegpunkt 7). Vom Bahnhof in Torgau aus besteht eine Busverbindung (Wegpunkt H) nach Dahlenberg. Ebenso eignet sich die Tour für einen Ausflug mit dem Fahrrad. Zahlreiche ausgeschilderte Wander- und Radwege vernetzen sich hier inmitten der Dübener Heide. Vom Elbradweg in Dommitzsch aus fährt man entlang des Grenzbaches Richtung Dahlenberg etwa 10 km.
Wir starten am Waldhotel und biegen zunächst in den Weg Hachemühle ein. Beim Überqueren des Grenzbaches fällt der Blick auf eine Biberburg . Für den Biber stellt das Fließgewässer eine wichtige Verbindungsachse zwischen den Vorkommen an der Elbe und in der Dübener Heide bis hin zu den Lebensräumen an der Mulde dar. Wie er das Grenzbachgebiet landschaftlich gestaltet, werden wir später auf dieser Tour noch entdecken.
Unser Weg führt uns bis zum Abzweig Jagdhausweg. Diesem folgen wir, bis wir am Hinweisschild „Naturlehrpfad“ (Wegpunkt 2) auf einen schattigen Waldweg abbiegen. Den Stausee immer im Blick, lässt sich auf diesem Wegabschnitt an verschiedenen Infotafeln viel Wissenswertes über die hiesige Flora und Fauna erfahren. Baum- und Vogelarten werden vorgestellt sowie die Bedeutung alter Bäume und totem Holz für den Lebensraum Wald erläutert. Am Staudamm angekommen, öffnet sich der Wald ein wenig und wir entdecken einen Lesesteinhaufen (Wegpukt 3). Steinaufhäufungen mit ihren reich strukturierten Lücken- und Höhlensystemen bieten einer großen Anzahl vor allem wärmeliebender Tiere und Pflanzen - zum Beispiel Zauneidechse, Steinhummel und Mauerpfeffer -  Rückzugs- und Lebensraum, den sie heute nur noch selten in der Landschaft finden.
Bevor wird dem Naturlehrpfad weiter folgen, lohnt sich ein Abstecher auf den Staudamm (Wegpunkt 4), welcher einen herrlich weiten Blick über den gesamten Stausee freigibt. Gleichzeitig sieht man den Grenzbach, wie er hier auf das Staubauwerk trifft. Der Stausee wurde einst in den 70er Jahren zur Brauchwasserversorgung angelegt. Heute lädt er zum Baden, Bootfahren und Angeln ein.
Wir wollen dem Grenzbach weiter Richtung Dahlenberg folgen und kehren daher zurück auf den Naturlehrpfad. Vom Lesesteinhaufen aus laufen wir hinein in einen geschlossenen Waldbestand bis zu einer Wegekreuzung (Wegpunkt 5), an der wir rechts abbiegen. Nun geht es auf einem schmalen Pfad leicht bergab vorbei an mehrere hundert Jahre alte, mächtige Buchen und Eichen. Dieser Abschnitt ist wahrlich eine Entdeckung wert. Wie ein Lärmfilter schluckt der Wald alle Geräusche von außen und lädt ein, einzig der Natur zu lauschen und zu beobachten. Vor allem die Spechte sind nicht nur zu hören, sondern deren gezimmerte Höhlen im Totholz rechts und links des Weges auch zahlreich zu sehen. Baumläufer klettern emsig auf der Suche nach Nahrung an den Baumstämmen empor. Im Gegensatz zum Kleiber können diese nicht kopfüber laufen und müssen daher stets, oben angekommen, wieder nach unten fliegen, um erneut hochklettern zu können.
Bald wird der Untergrund feuchter und Schwarzerlen dominieren die Baumschicht. Hier zeigt sich erneut die Anwesenheit des Bibers, der den Grenzbach aufgestaut und damit neuen Lebensraum für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt geschaffen hat. Manche Baumarten sterben durch die Überflutung ab und sind dabei Teil eines natürlichen Kreislaufes. Die Schwarzerle dagegen kann mit ihrem Wurzelwerk auch längere Zeit unter Wasser aushalten und ist daher in solchen Feuchtgebieten zu Hause. Auch das tote Holz der Erle ist äußerst resistent gegen Fäulnis unter Wasser. Zur Schwarzerle gesellen sich Faulbaum und Gewöhnliche Traubenkirsche ebenso wie Zittergras-Segge, Schilf, verschiedene Farn-Arten und das Echte Springkraut. Dieses ist, im Gegensatz zum purpur- bis rosafarbenen Drüsigen oder auch Indischen Springkraut, bei uns heimisch und blüht gelb. Den Namen verdankt das Springkraut den Fruchtkapseln, welche durch Zellsaftdruck gespannt sind und bei Berührung an vorgebildeten Nähten blitzschnell aufreißen. Dabei werden die Samen bis über drei Meter fortgeschleudert. Im Volksmund wird die Pflanze daher auch Rühr-mich-nicht-an genannt.
Der Weg führt weiter um den Dahlenberger Dorfteich (Wegpunkt 6), welcher ebenso ein Staugewässer des Grenzbaches darstellt. Mit den Schatten spendenden Bäumen am Ufer, dem Röhrichtgürtel sowie den See- und Teichrosen stellt er einen geeigneten Lebensraum für viele wasserbewohnende Tierarten dar. Am Auslauf des Dorfteiches  schließt sich ein weiterer bachbegleitender Schwarzerlenbestand an. Der Weg, der uns vorbei an der alten Dorfmühle zur Hauptstraße führt, wird neben der Schwarzerle auch von Roteiche gesäumt.
Durch das Dorf mit vielen kleinen Bauerngärten geht es zurück zum Stausee. Dabei können wir nicht nur den Biber als Keramikfigur, sondern auch zwei Brunnen  eines einheimischen Bildhauers bewundern, welche die Geschichte des Dorfes erzählen.
Vom Naturbad am Stausee (Wegpunkt 7) aus folgen wir nun wieder dem Naturlehrpfad mit seinen Infotafeln, nun jedoch am südlichen Ufer der Talsperre entlang. Der Pfad mündet in den Weg Steinertsplan und führt uns durch eine Waldbungalowsiedlung bis zum Abzweig des Dahlenberger Weges  und zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.

Entdeckergalerie

Dahlenberger Dorfteich (Lebensraumtyp Eutrophes Stillgewässer) © Nicole Sieck
Biber (Castor fiber) © Gottfried Kohlhase
Kammmolch (Triturus cristatus) © Rainer Armbruster
Eisvogel (Alcedo atthis) © Gottfried Kohlhase
Wegpunkt 1 Waldhotel Hachemühle © Helmut Wache
Wegpunkt 2 Abzweig Naturlehrpfad © Helmut Wache
Stausee Dahlenberg, westlicher Verlandungsbereich © Helmut Wache
Wegpunkt 3 Lesesteinhaufen © Nicole Sieck
Wegpunkt 4 Staudamm, Blick auf den Parkplatz am Stausee © Nicole Sieck
Wegpunkt 5 Wegekreuzung © Nicole Sieck
Naturlehrpfad © Nicole Sieck
Schwarzspecht (Dryocopus martius) © Volker Rudolf
Schwarzerlenwald (Lebensraumtyp Erlen-, Eschen- und Weichholzauenwald) © Nicole Sieck
Grenzbach Feuchtgebiet © Nicole Sieck
Echtes Springkraut (Impatiens noli-tangere) © Gottfried Kohlhase
Fischotter (Lutra lutra) © Steffen Spänig
Wegpunkt 6 Dorfteich Dahlenberg © Nicole Sieck
Weiße Seerose (Nymphaea alba) © Gottfried Kohlhase
Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) Weibchen © Gottfried Kohlhase
Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) Männchen © Gottfried Kohlhase
Schwarzerle am Dorfteich Dahlenberg © Nicole Sieck
Schwarzerle (Alnus glutinosa)  © Nicole Sieck
Dorfteich Dahlenberg mit Biberfigur des Künstlers Bruno Kubas  © Nicole Sieck
Wegweiser zum Stausee in der Ortschaft Dahlenberg  © Nicole Sieck
Wegweiser  © Nicole Sieck
Wegpunkt 7 Naturbad Stausee Dahlenberg  © Nicole Sieck
Wegkehre Waldbungalowsiedlung  © Helmut Wache