Natur(a)berichte

Urige Wälder und geheimnisvolle Moore

Wanderung im Presseler Heidewald- und Moorgebiet

Torgauer Zeitung, 22. September 2020

Das Wasser wird knapp

Bei bestem Wanderwetter folgten zahlreiche Interessierte der Einladung des Landschaftspflegeverbandes Torgau-Oschatz zu einer Wanderung im Presseler Heidewald- und Moorgebiet. Dieser als FFH-Gebiet sowie Naturschutzgebiet ausgewiesene Bereich der sächsischen Dübener Heide ist außerdem Teil des mehr als doppelt so großen Vogelschutzgebietes „Dübener Heide“ sowie des Naturparks „Dübener Heide“ und des gleichnamigen Landschaftsschutzgebietes. Hier liegen sozusagen mehrere nationale und europäische Schutzgebietskategorien übereinander. Europäisch? Ja genau! Die FFH- und Vogelschutzgebiete des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000 wurden von den europäischen Mitgliedsstaaten ausgewiesen, um länderübergreifend das gemeinsame Naturerbe als Lebensgrundlage für nachkommende Generationen zu bewahren. Natura 2000 spielt auch bei der täglichen Arbeit des Landschaftspflegeverbandes eine große Rolle. Der Verein setzt sich für den Erhalt unserer über Jahrhunderte durch bäuerliche Bewirtschaftung geschaffenen Kulturlandschaft ein und möchte das Bewusstsein dafür stärken, dass biologische Vielfalt nicht gleichzusetzen ist mit einer völlig vom Menschen unberührten Natur. Wir prägen die Natur, die Landschaft in der wir leben seit jeher. Und so wurde auch der Wald, den viele Menschen noch als ursprüngliche Natur wahrnehmen, von uns Menschen schon immer genutzt. Ursprünglich stand vor allem seine Bedeutung als Nahrungs- und Holzlieferant für Bau- und Brennmaterial im Vordergrund. Er spielt zudem für uns Menschen aufgrund seiner Eigenschaften als Sauerstoffproduzent, Temperaturregulator, Wasserspeicher, Lärmfilter und Schattenspender eine bedeutende Rolle. Wälder sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen und auch unsere Lebensgrundlage. Wälder sind für unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität von unschätzbarem Wert. Wir sind Teil der Natur und es ist nicht ausschlaggebend, dass wir unsere Landschaft nutzen, sondern wie wir das machen. Wie gelingt es uns, die Bewirtschaftung und Erholungsnutzung des Waldes in einen Einklang mit dem Naturschutz zu bringen? Die Europäische Union verfolgt mit Natura 2000 das Ziel, dass sich die als schützenswert ausgewiesenen Lebensraumtypen und der Erhaltungszustand der Arten nicht verschlechtern dürfen. Wie können wir das umzusetzen? Wie gehen wir damit um, dass zunehmend Faktoren wie Stürme, Hitze und Trockenheit Einfluss nehmen? Diese und andere Fragen begleiteten die Wanderung durch das Presseler Heidewald- und Moorgebiet. Jens Ehmisch vom Staatsbetrieb Sachsenforst führte durch sein Revier und wusste viel über die schützenswerten Lebensräume, deren Geschichte und die heutige Forstwirtschaft zu berichten. Gleich zu Beginn ging es vorbei an einem urigen Waldabschnitt mit 250jährigen Eichen und 180jährigen Buchen, die zu beeindrucken wussten. Ein wichtiger Lebensraum für Fledermäuse, Schwarzspecht und Hohltaube. Die Folgen der Trockenheit und des im Moment äußerst niedrigen Grundwasserspiegels waren jedoch nicht zu übersehen. Nochmals deutlicher wurde dies, als die Wanderung später durch den Zadlitzbruch führte. Ein Zwischenmoor, welches sowohl von unten, über das Grundwasser als auch von oben, über Regenwasser gespeist wird. Wenn beides knapp wird, dann zeichnet sich ein Bild wie es uns zur Zeit im Zadlitzbruch vor Augen geführt wird. Die negative Wasserbilanz kann den hier vorkommenden und meist hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten - wie Wollgras, Sonnentau, Moosbeerbe und Torfmoos oder die Große Moorjungfer, eine Libellenart - zunehmend den Lebensraum entziehen. Wie können wir unserer Verantwortung gegenüber der Natur sowie folgenden Generationen nachkommen?

Nicole Sieck, LPV

Wanderung mit Jens Ehmisch vom Staatsbetrieb Sachsenforst
Wanderung mit Jens Ehmisch vom Staatsbetrieb Sachsenforst
Hainsimsen-Buchenwald
Heidekraut
Biber
Große Moosjungfer
Kranich
Zadlitzbruch 2013
Zadlitzbruch 2020
Wollgras und Seerose im Zadlitzbruch
Sonnentau im Zadlitzbruch