Natur(a) wissen • NATURA 2000

Umsetzung in Sachsen

Projektlaufzeit 2018-2022

Auch nach fünf Jahren der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit zu Thema zeigte sich, dass Natura 2000 nach wie vor weitgehend unbekannt war und es bei vielen Menschen wenig Berührungspunkte gab. Gleichwohl liegen die FFH- und Vogelschutzgebiete nicht selten im öffentlichen Raum. Wir stellten fest, dass die verschiedenen und sich oft überlagernden Schutzgebietskategorien für Nicht-Fachinteressierte meist verwirrend sind. Bei Betroffenen wie Landnutzer, Grundeigentümer und Kommunen bestand zu dem Zeitpunkt selten Klarheit hinsichtlich der Umsetzung von Natura 2000. Sie sahen ihre Interessen zum Teil nicht wahrgenommen und sich von außen bestimmt.

Mit der Weiterführung des Projekts wollten wir daher auch weiterhin umfassend in der Bevölkerung über Natura 2000 informieren. Mit einer breit angelegten und kontinuierlichen, dabei aber abwechslungsreichen und kreativen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit war es unser Anliegen, vor allem Freude und Interesse an der aktiven Beschäftigung mit der Natur vor der Haustür zu vermitteln, Naturverbundenheit zu fördern und dadurch Natura 2000 erlebbar zu machen. Die Angebote richteten sich auch an Fachinteressierte, Landnutzer und -eigentümer. Insbesondere der Austausch und die Kommunikation der verschiedenen Interessensgruppen untereinander sollte gefördert und vertieft werden.

Die 2022 in Torgau unter dem Motto „Natur-Mensch-Geschichte“ stattgefundene Landesgartenschau bot die einmalige Möglichkeit, Natura 2000 einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen. Das Glacis bildete das Herzstück der Schau und sollte zu einem Vorzeigeobjekt werden, das den Bogen von der Gartengeschichte über den Naturschutz bis hin zum städtischen Naherholungsgebiet spannt. Es war selbst bei den Torgauern weitgehend unbekannt, dass das Glacis nicht nur Stadtpark, sondern auch FFH- und Vogelschutzgebiet ist. Als Landschaftspflegeverband vor Ort, mit Sitz in Torgau, haben wir uns daher eingebracht und das Thema Natura 2000 in die Landesgartenschau integriert.

Aber nicht nur in Hinblick auf die Landesgartenschau war es wichtig, das Projekt weiterzuführen, zu vertiefen und aufbauend auf den bisherigen Ergebnissen das Thema in der Region zu etablieren.
Es zeigte sich, dass eine fachliche und sachliche Darstellung von notwendigen Maßnahmen hilft, Verständnis zu fördern und Unklarheiten auszuräumen. So konnte bei einem Großteil der bis dahin erreichten Bevölkerung ein Aha-Effekt erzielt werden. Diese ersten Erfolge würden allerdings verpuffen, bliebe das Projekt nicht weiter präsent. Die bereits erarbeitete Basis an fundierter Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit ermöglichte, durch Intensivierung der Angebote, die Netzstelle Natura 2000 in der Region zu etablieren.

Aufgrund der umfangreichen Themenvielfalt im Zusammenhang mit Natura 2000 (Schutzgebiete, Lebensraumtypen, Artenschutz, biologische Vielfalt, etc.) ergaben sich viele Anknüpfungspunkte mit den verschiedenen Zielgruppen. So kann Natura 2000 als Schlüssel zur Bewahrung der biologischen Vielfalt auch ein Schlüssel zum Naturschutzverständnis bei allen Bevölkerungsgruppen sein. Hier haben wir angeknüpft und die Öffentlichkeitswirkung insbesondere hinsichtlich derer, die mit dem Thema Natur selten bis nie in Berührung kommen, erweitert und verstärkt. Der Ansatz, andere als Fürsprecher über das Thema berichten zu lassen und damit eine Brücke vom Fachpublikum zur allgemeinen Öffentlichkeit zu schlagen, wurde weiter ausgebaut.

Als ein immer mehr bekannter und konstanter Ansprechpartner für Natura 2000-Belange in der Region konnten wir zu einer Vernetzung sowohl der regional agierenden Naturschutzakteure untereinander als auch mit Landeigentümern und -nutzern und damit zu einer nachhaltigen Naturschutzarbeit in Natura 2000-Gebieten beitragen. Mit der vor Ort an konkreten Beispielen ausgerichteten Vermittlung sowie der Präsentation naturschutzbezogener Vorhaben und Maßnahmenumsetzung konnten wir Verständnis fördern und langfristig zu einer Akzeptanz beitragen.

Neben dem Rückhalt in der Bevölkerung ist für die Umsetzung von Natura 2000 vor allem aber auch die Beteiligung der Landnutzer, Grundeigentümer, Waldbesitzer, Kommunen und anderer „Betroffener“ erforderlich. Die Ausweisung und Umsetzung von Natura 2000 wird oft als „von oben herab“ wahrgenommen. Daher wurden insbesondere regionale Akteure aus unterschiedlichen Interessensbereichen (Naturschutz, Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Tourismus, Regionalentwicklung etc.) miteinander vernetzt sowie, aufbauend auf gegenseitigem Verständnis, Kommunikation und einem kooperativen Miteinander, die Wahrnehmung der Bedeutung regionaler Besonderheiten und der Chance von Natura 2000 für die Region gefördert.

Info-Stände auf regionalen Veranstaltungen, Veröffentlichungen in der Presse und die Pflege der Projekthomepage ergänzten die Öffentlichkeitsarbeit.

In der Projektlaufzeit entstanden folgende Materialien: 

  • Faltblätter, Poster und Rollups zu weiteren fünf FFH-Gebieten der Region Torgau-Oschatz
  • 12 Poster zu Lebensraumtypen und Arten
  • eine Broschüre über die FFH-Lebensraumtypen der Region Torgau-Oschatz
  • Porträtreihe "Mensch und Natur(a 2000)"
  • fünf Entdeckertouren-Faltblätter mit Routenbeschreibung und Karte zum selbständigen Erkunden der FFH- und Vogelschutzgebiete
  • drei Natura-Kalender für die Jahre 2020, 2021, 2022
  • ein Natura-Malbuch
  • ein Natura-Memospiel
  • Ausstellungstafeln mit der Porträtreihe „Mensch und Natur(a 2000)“, drei Holzlandschaften, Acryl-Vögel und ein Pappwürfel-Puzzle mit Natura 2000-Motiven zur Gestaltung der Ausstellung „Perspektivwechsel – Natur(a 2000) erleben mitten in der Stadt“ für die Zeit der Landesgartenschau in Torgau und darüber hinaus als Wanderausstellung im gesamten Wirkungsbereich

 

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